Liesl Karlstadt
Der Sancho Pansa zum Don Quijotte
Liesl Karlstadt (eigentlich Elisabeth Wellano 1892–1960) war Valentins ebenbürtige Partnerin, „der Sancho Pansa zum Don Quijotte“. Karl Valentin sah sie als Soubrette im Frankfurter Hof und erkannte ihr komisches Talent. Gemeinsam bildeten sie das berühmteste deutsche Komikerduo des 20. Jahrhunderts, an dessen Erfolg Liesl Karlstadt maßgeblichen Anteil hatte.
Nach dem Tod von Karl Valentin startete Liesl Karlstadts ihre zweiter Karriere. Im Rundfunk feierte sie ihre größten Erfolge: sie wurde zum ersten weiblichen Medienstar Bayerns.
Das Geheimnis ihres Erfolgs waren ihre liebenswerte und bescheidene Art und die Präzision, schnörkellos einfache Menschen darzustellen, die im Spiel wirkten wie Leute wie du und ich. Das liebten die Münchner an ihr, das ließ sie sagen: „unsere Liesl“.


Liesl Karlstadt - Flug zum Mond
Der zweite Stock ist Liesl Karlstadt gewidmet. Völlig neu ist die Ausstellung „Liesl Karlstadt – Flug zum Mond“. Sie erzählt die Biografie und Karriere der Bühnenpartnerin von Karl Valentin, zeigt eine unbekannte und private Liesl Karlstadt. Die Ausstellung geht der Frage nach, wer die Frau ist, die 1892 als Elisabeth Wellano geboren wurde. Wie gelingt ihr vor 100 Jahre ein freies, erfolgreiches und selbständiges Künstlerinnen-Leben? Aus einfachen Verhältnissen stammend, verlässt Elisabeth Wellano den sicheren Beruf der Verkäuferin, wählt die Brettlbühne und schließt sich dem Komiker Karl Valentin an. Als Liesl Karlstadt schafft sie mit ihm noch nie Dagewesenes in der Kunst.
Auch privat sind Karl Valentin und Liesl Karlstadt über lange Zeit liiert, obwohl Karl Valentin verheiratet ist. Zunehmend will sie sich von Valentin lösen und als Solo-Künstlerin etablieren. Sie brilliert als Schauspielerin in Hauptrollen am Theater, im Radio und im Film. Das Kino in der Ausstellung zeigt sie mit Karl Valentin auf der großen Leinwand. Weitere Film- und Hörstationen lassen ihr vielseitiges Schaffen lebendig werden – auch kommt sie selbst zu Wort. Verwegen geht sie durchs Leben – ob bei Soloprojekten, auf Reisen oder als Aussteigerin im Gebirge. Mutig meistert sie Lebenskrisen. In den 50er Jahren wird sie zur verehrten Volksschauspielerin. Als sie 1960 überraschend mit 67 Jahren stirbt, ist zu ihrer Beerdigung ganz München auf den Beinen. Der gefeierte Theater- und Medienstar wird in einem Ehrengrab auf dem Friedhof in Bogenhausen beigesetzt, ein rotes schmiedeeisernes Herz zum Aufklappen ziert seitdem ihr Grab: außen Liesl, innen Wellano. Bis heute: Jenseits der Konvention.
„Der Flug zum Mond“, so der Titel der Ausstellung zu Liesl Karlstadt, ist ursprüngliche eine multimediale Inszenierung und das aufwendigste Stück des Duos Karl Valentin und Liesl Karlstadt: Rasant, Utopisch, Abflug in den Himmel, dem Mond so nah, Blitzeinschlag, Absturz und die unerschütterliche Erkenntnis, dass übermorgen selten ein Wind geht. Der „Flug zum Mond“ ist für jeden Museumsgast der stürmische Raketenflug in den zweiten Stock zu Liesl Karlstadt.
Außerdem ist in die Ausstellung das KINO integriert. Jeweils zur halben Stunde verwandelt sich der Raum in einen Kinosaal.

Erhältlich im Museumsshop
Liesl Karlstadt: Schwere Jahre 1935 - 1945
Das Buch zur Ausstellung, hrsg. von Sabine Rinberger und Andreas Koll
Liesl Karlstadt (1892–1960) und Karl Valentin waren ein legendäres Paar auf der Bühne, so erfolgreich wie berühmt. Dem Publikum verborgen blieben die schweren Jahre von Liesl Karlstadt, in denen sie in einer tiefen Lebenskrise steckte. Die Jahre von 1935 bis 1945 werden in diesem Buch beleuchtet, mit vielen Fotos und Originaldokumenten aus der Schenkung von Brigitte Erikson (Tochter der Karlstadt-Vertrauten Noram Lorenzer) an das Valentin-Karlstadt-Musäum. Erschienen im Kunstmann Verlag, München 2019;
Siehe auch: Beitrag auf dem Blog der Saubande








